Ist das Ende vom Diabetes Typ-2 gekommen?

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Die 53. Jahrestagung der Eropäischen Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) vom 11.-15. September 2017 in Lissabon, mit mehr als 15000 Wissenschaftlern der weltweit größte internationale Kongress zur Diabetesforschung, brachte neben neuen Erkenntnissen aus zwei großen Studien zur Anwendung der SGLT-Hemmer bei Diabetes Typ-1 auch neue Aspekte in der Definition des Krankheitsbildes Diabetes mellitus.
In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Einteilung des Diabetes in Typ-1 und Typ-2 eingeführt, die bereits nach wenigen Jahren durch weitere Ein- und Unterteilungen ergänzt wurden.
Inzwischen sind in der Diabetesforschungen Erkenntnisse gewonnen worden, die diese Einteilung ins Wanken bringen. Die ANDIS-Studie aus Schweden, die unter der Leitung von Prof. Dr. Leif Groop stand, hat die Fälle von mehr als 15000 an Typ-2-Diabetes neu Erkrankten genau untersucht und im nationalen schwedischen Diabetesregister (eine Einrichtung, für die sich die DDH-M auch in Deutschland einsetzt) weiter beobachtet. Erste Ergebnisse wurden in Lissabon vorgestellt und lassen Zweifel am Diabetes Typ-2 aufkommen, den es so wahrscheinlich nicht gibt.
Der bisher unter Typ-2 definierte Diabetes lässt sich besser in fünf neue Gruppen einteilen:
1. eine dem Typ-1 ähnliche Erkrankung mit GAD-Antikörpern,
2. Patienten mit deutlichem Insulinmangel, frühem Krankheitsbeginn mit hohem HbA1c, bei denen nach vier Jahren ein deutlich höherer Insulinbedarf und häufigeres Auftreten von Retinopathien zu verzeichnen sind,
3. Patienten mit deutlicher Insulinresistenz schon bei Diagnosestellung, die häufiger auch Nierenschädigungen erleiden,
4. Patienten mit relativ "mildem" Diabetes und einer bestehenden Adipositas,
5. Patienten mit relativ "mildem" Diabetes im höheren Lebensalter.
Noch ist es zu früh hieraus praktische Konsequenzen abzuleiten, aber in einem Punkt sind sich die Zuhörer des Vortrags zu dieser Studie in Lissabon einig: die Ergebnisse der schwedischen Studie markieren das Ende vom Diabetes Typ-2 und markieren ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der Krankheit Diabetes mellitus.
(Quelle: Dr. med. V. Jörgens, Direktor der EASD/EFSD von 1987-2015 und Dr. M.Grüßer, Direktorin der EASD/EFSD [DJ 11-2017, 30-33, Kirchheim-Verlag)

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